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MI | 11.06.2008
Wiener Sängerknaben (Bild:APA)
Augarten
Sängerknaben dürfen Konzertsaal bauen
Das monatelange Feilschen um das Augartenprojekt hat ein Ende. Nicht das Filmarchiv, sondern die Wiener Sängerknaben dürfen ihren Bau - einen "Konzertkristall" - umsetzen. Nicht nur vom Kulturministerium kommt massive Kritik.
Modell neuer Konzertsaal für Sängerknaben (Bild: APA)
Der Saal soll vielfältig genutzt werden können, so das Ziel.
Platz für 430 Zuschauer
Am Augartenspitz wird eine Proben- und Aufführungsstätte errichtet. Der geplante Bau - genannt "Konzertkristall" - soll auch die Abhaltung von Workshops ermöglichen und für das Wiener Kindertheater zur Verfügung stehen.

Damit machen die Wiener Sängerknaben Gebrauch von ihrem Nutzungsrecht für die Bebauung des Grundstücks Ecke Castellezgasse/Obere Augartenstraße, das öffentlich bisher nicht zugänglich ist. Ein entsprechender Vertrag sei unterzeichnet worden, hieß es am Montag von Burghauptmann Wolfgang Beer.

Bei den Sängerknaben wurde stets betont, dass der Neubau notwendig sei, weil es im Stammsitz - dem benachbarten Augarten-Palais - keine entsprechende Aufführungsstätte gebe. Laut Beer können die Sängerknaben jetzt einen Einreichplan erstellen. Dieser ist Basis für eine Baubewilligung durch die Gemeinde Wien. Laut bisherigen Plänen soll der zentrale Saal rund 430 Zuschauern Platz bieten.
Modell neuer Konzertsaal Sängerknaben (Bild: APA)
Elf Millionen Euro Kosten
Der "Konzertkristall" darf eine Grundfläche von 1.200 Quadratmetern in Anspruch nehmen. Finanziert wird der Bau von der Pühringer Privatstiftung, zuletzt wurden elf Millionen Euro dafür veranschlagt. Das Grundstück gehört dem Bund.
Augartenkino (Bild: Filmarchiv Austria / DMAA)
Das Filmarchiv hatte sich um das Areal bemüht.
Kinoprojekt: Häupl will Standort finden
Ein gemeinsames Bauvorhaben mit dem Filmarchiv werde es nicht geben, so Beer. Die vom Wirtschaftsministerium initiierten Gespräche zwischen Sängerknaben und Filmarchiv sind demnach erfolglos verlaufen. Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) kündigte jedoch an, er wolle für das Filmkulturzentrum nun "einen anderen Standort finden".

Das Filmarchiv hatte ein Filmkulturzentrum geplant, das unter anderem zwei Kinosäle mit insgesamt 240 Plätzen, Ausstellungsflächen sowie eine Freiluftkino-Tribüne für das Sommerkino umfasst hätte.
Entscheidung lag beim Wirtschaftsministerium.
Wut auf der Seite des Films
"Total enttäuscht und eigentlich sprachlos", reagierte Viennale-Direktor Hans Hurch. "Wir haben gewusst, dass die Entscheidung vor Weihnachten fallen soll", meinte Hurch, "aber mit so einer Kaltschnäuzigkeit haben wir nicht gerechnet." Die Projektentwicklung sei" nicht nur einfach abgekürzt, sondern abgeschnitten" worden.

Filmarchiv-Leiter Ernst Kieninger schlug in dieselbe Kerbe: "Es kann doch nicht sein, dass eine kulturpolitische Entscheidung nur im Wirtschaftsministerium getroffen wird." Seine Seite habe sich bemüht, die Anrainer und Bewohner der Gegend in den politischen Prozess einzubinden. Schließlich sei es es das Filmarchiv gewesen, das 2001 die Flächenwidmung erwirkt habe. "Die Sängerknaben sind erst später auf den Plan getreten."
Ministerin Claudia Schmied (SPÖ) sah "kulturpolitische Priorität
eher beim Filmprojekt".
Schmied: "Priorität lag bei Filmprojekt"
Man sei "nicht über das Vorgehen des Wirtschaftsministeriums informiert" gewesen, hieß es aus dem Kulturministerium nach Bekanntwerden der Entscheidung, die vom Wirtschaftsministerium getroffen worden war.

Ministerin Claudia Schmied (SPÖ) habe vor kurzem in einem Brief darauf hingewiesen, dass ihr Ministerium weitere intensive Gespräche auch mit der Stadt Wien in dieser Angelegenheit befürworten würde. Aus ihrer Sicht liege die "kulturpolitische Priorität eher beim Filmprojekt".

Huch erwiderte darauf, die Ministerin habe "ein dreiviertel Jahr Zeit gehabt, in irgendeiner Form Stellung zu beziehen oder sich für etwas einzusetzen", so der Viennale-Chef.
Kritik von Grünen und SPÖ
Eine "Verhöhnung der Bevölkerung" sieht die Planungssprecherin der Wiener Grünen, Sabine Gretner. "Man kann nicht einerseits konstruktive Zusammenarbeit in einem Leitbildprozess einfordern und gleichzeitig vollendete Tatsachen in einem der Hauptkonfliktpunkte schaffen."

Kritik kam auch von der Wiener SPÖ. Noch vor eineinhalb Wochen sei bei der Auftaktveranstaltung zur Leitbilderstellung des Augartens vom Bund betont worden, einen gemeinsamen Weg gehen zu wollen. Dieser sei nun offenbar abrupt vom Wirtschaftsministerium beendet worden, erklärte der Vorsitzende des gemeinderätlichen Planungsausschusses, SPÖ-Gemeinderat Karlheinz Hora.

ÖVP-Stadtrat Norbert Walter begrüßte hingegen die Entscheidung, Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) sprach von einer "vergebenen Chance". Er nehme die Entscheidung von Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (ÖVP) zur Kenntnis, bedauere allerdings, dass sich nicht beide Projekte verwirklichen lassen. "Auch wir haben uns eigentlich noch weitere Gespräche erwartet", schloss der Kulturstadtrat.
Mehr Verkehr und weniger Parkplätze werde es geben, so die Befürchtung.
"Freunde des Augartens" kündigen Protest an
"Das ist eine Katastrophe. Es wird sicher massive Proteste geben", sagte die Sprecherin des Vereins "Freunde des Augartens", Daniela Kraus. Die Entscheidung sei "total undemokratisch" gefallen.

"Hier Fakten zu schaffen ist eine Verarschung", so Kraus. Am Augartenspitz werde nun ein massiver Klotz geschaffen. Abgesehen davon, dass laut Kraus eine Parkbebauung ohnehin ein "Schwachsinn" ist, sei das Projekt auch nicht auf regionale Bedürfnisse ausgelegt.

Es sei etwa damit zu rechnen, dass es mehr Verkehr und weniger Parkplätze geben werde. Auf die Frage, welche Art von Protestmaßnahmen geplant sind, sagte Kraus: "Alles, was wir ausschöpfen können."
Bei den Sängerknaben freut man sich naturgemäß über die Entscheidung.
Baubeginn im Frühjahr
Baubeginn sollel bereits im Frühjahr sein, so der Direktor der Wiener Sängerknaben, Eugen Jesser. Er zeigte sich von der massiven Kritik an der Entscheidung betroffen, betonte aber: "Freuen tun wir uns natürlich, das wird uns hoffentlich niemand übelnehmen."

Nun werde an die Umsetzung des Projektes gegangen. "Und ich möchte den Anrainern auch noch einmal erklären, dass ihre Befürchtungen grundlos sind", so Jesser.

So gebe es etwa ein Verkehrskonzept. Dass es zu einer hohen Verkehrsbelastung durch Besucher des Konzertsaales kommen werde, sei nicht zu erwarten. Jesser kündigte auch an, dass es einen Durchgang von der Straße zum Park geben soll. Wenig Chancen gibt es offenbar für Kooperationen mit dem Filmarchiv. "Es gab Gespräche, die nicht zum Erfolg geführt haben", so Jesser dazu knapp.
Das Filmarchiv hatte schon einen Sponsor gefunden.
Monatelanger Streit um Augarten
Das Areal im Augarten stand zuletzt im Mittelpunkt eines Monate dauernden Streits: Das Filmarchiv wollte gemeinsam mit der Viennale dort auch ein Filmkulturzentrum errichten. Im Frühjahr wurde sogar ein Sponsor dafür präsentiert: Das Ehepaar Ingrid und Christian Reder wollte mit seiner Stiftung Orion den Bau des Projekts zur Gänze finanzieren - was rund sechs Millionen Euro kosten sollte.

Kurze Zeit später stoppte der Bund die Sängerknaben-Pläne zumindest vorübergehend. Es solle geprüft werden, ob nicht ein gemeinsames Projekt kommen könne, hatte es geheißen. Das ist nun gescheitert. Laut Burghauptmann Beer habe sich unter anderem gezeigt, dass der vorhandene Platz dazu nicht ausgereicht hätte.
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Ihre Meinung zu diesem Thema
nutzungsrecht
stadtbaukleister, vor 183 Tagen, 4 Stunden, 18 Minuten
soweit ich gelesen habe, hatten die sängerknaben das vorrecht der nutzung auf dem grundstück und das haben sie jetzt beansprucht. wäre ja auch blöd, die sängerknaben auf 2 standorte aufzuteilen.

für das filmarchiv gibt es sicherlich auch andere möglichkeiten, etwa von der schliessung bedrohte oder bereits geschlossene alte kinos. die hätten renoviert auch einen gewissen charme für das archiv.
Wenn die Sängerknaben im Wald singen.....
stracheforever1956, vor 183 Tagen, 5 Stunden, 41 Minuten
steigen die Vögel hoch.
Naja, mit den
dave40, vor 183 Tagen, 5 Stunden, 52 Minuten
Flaktürmen kann es moderne Archtiektur ja locker aufnehmen.
Allerdings nicht in Lebensdauer.
Sängerknaben dürfen Konzertsaal bauen
tomwafisback, vor 183 Tagen, 8 Stunden, 29 Minuten
Fällt das nicht irgendwie unter Kinderarbeit?
*fg*
FLAGTURM
cariblu, vor 183 Tagen, 10 Stunden, 45 Minuten
der wäre doch bestens geeignet und sicher recht lärmdämmend, warum muss man in dem dicht verbauten Gebiet noch mehr verbauen? Apropos, die Mauer um den ganzen Augarten gehört geschliffen, das würde das ganze Gretzel erheblich aufwerten. Wenn schon Absperrung, dann ein Zaun a la Hofburg
roaback, vor 183 Tagen, 9 Stunden, 51 Minuten
Willst du etwa damit sagen, die Sängerknaben machen "Lärm"? ;-)
asdfg, vor 183 Tagen, 6 Stunden, 34 Minuten
es reichte schon, würde die Mauer neu verputzt werden. schliffen wäre zu aufwändig.
Nullvarianre
councilloryoda, vor 183 Tagen, 15 Stunden
Das wäre die Lösung gewesen. Der Park gehört gar nicht verbaut, egal ob für Gesang oder Film.
Leider geht aus dem ORF Bericht nicht hervor,
tagespost, vor 183 Tagen, 16 Stunden, 35 Minuten
ob sich die sich verarscht fühlende Sprecherin des Vereins "Freunde des Augartens", Daniela Kraus, nur durch die Entscheidung für die Sängerknaben gestört fühlt oder ob dies auch bei einer Entscheidung für das Filmarchiv so wäre.
Die "Freunde des Augartens":
wolfx, vor 183 Tagen, 13 Stunden, 22 Minuten
Keine Bauten im Augarten! Aber wenn aus unerfindlichen Gründen gebaut werden muss, dann eher das Filmarchiv.

Ich verstehe es auch nicht, warum man eine der schönsten Parkanlagen Wiens zubetonieren muss.
tauceti, vor 183 Tagen, 13 Stunden, 7 Minuten
money, money, money...
Aufführungsstätte in den Flakturm!
kosmonaut, vor 183 Tagen, 16 Stunden, 44 Minuten
Flaktürme endlich öffentlich zugänglich machen oder abreißen! zerschneiden der Betonteile ist technisch längst möglich!
tauceti, vor 183 Tagen, 13 Stunden, 6 Minuten
und auf eBay verkaufen.
Beides schlecht
povolny, vor 183 Tagen, 17 Stunden, 3 Minuten
Wenn ein Filmarchiv sich in Wildwuchs ergehen will und die Sängerknaben fürs Privatissimum einen Tempelpalast brauchen, wird es für mich unerklärlich, was in den Köpfen vorgeht. Die Anrainer haben von keinem der Projekte etwas, die Wiener verlieren durch jedwede Durchdführung eines möglichen Projektes Erholungsraum. Nutzen und Zusatznutzen der projekte stehen also in den Sternen! Zu bezahlen hat es der Steuerzahler. So oder so.....
Baubeginn vor der EURO?
santiago, vor 183 Tagen, 17 Stunden, 56 Minuten
Abgesehen vom begrenzten Anrainernutzen der "Pühringer-Memorial-Hall" - wird das eine der Baustellen, die auch während der EURO geöffnet sind? Nicht vorstellbar. Freue mich schon auf das Sommerkino im Filmarchiv.
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