| |
|
|
Kunsthochschulen: Interne Strukturanalyse und Entwurf
einer projektorientierten Organisation
|
|
|
In: Oswald Oberhuber / M. Wagner / G. Figlhuber / F.
Kadrnoska / Ch. Reder (Hg.): Neuorientierung von Kunsthochschulen.
Redaktion: Christian Reder. Falter Verlag, Wien 1985
|
Herausgegeben
vom Bundesministerium für Wissenschaft
und Forschung
|
|
Konzepte und Diskussionsbeiträge zur Reform von
Kunsthochschulen
|
|
|
|
(AUSZUG)
Projektteil III: Organisationsmodelle für eine Neuorientierung
Christian Reder
Interne Strukturanalyse und Entwurf einer projektorientierten
Organisation
 |
|
Zusammenfassung der Ergebnisse |
 |
|
Aktionskatalog |
 |
|
Auftrag und Vorgehen |
| |
1. |
Neuorientierung der Organisation |
 |
|
1.1 |
Organisationsaufbau |
 |
|
1.2 |
Planungs- und Steuerungssystem |
 |
|
1.3 |
Praxis der internen Kooperation |
 |
|
1.4 |
Personalsituation |
 |
|
1.5 |
Projektorientierte Organisation |
| |
2. |
Ausbau der externen Kooperation |
| |
|
2.1 |
Bisherige Kooperationsvorhaben |
| |
|
2.2 |
Falldarstellungen |
 |
|
2.3 |
Projektagentur |
|
|
zurück
|
oben 
|
|
|
CHRISTIAN REDER
INTERNE STRUKTURANALYSE UND ENTWURF EINER PROJEKTORIENTIERTEN
ORGANISATION
Zusammenfassung der Ergebnisse
(1) Erst durch eine grundlegende - rechtlich und organisatorisch
verankerte - Neuorientierung der Hochschule können Perspektiven
erschlossen werden, die deutlich von der unbefriedigenden
gegenwärtigen Situation abweichen. Mit bloßen Einzelmaßnahmen,
wie etwa der isolierten Neugründung einer Institution
zur Förderung von Auftragsarbeiten, kann keine breite
Aktivierung erreicht werden. Das Hochschulgeschehen bliebe
weiterhin von kleinlichen Verwaltungsregeln und der jeweils
herrschenden Personalkonstellation abhängig.
(2) Die Hochschule braucht einen wesentlich höheren
Grad an Selbständigkeit, also jene Kompetenzen und Betriebssysteme,
die Organisationen mit eine. vergleichbaren Aufgabenvolumen
für eine verantwortliche Betriebsführung beanspruchen
müssen. Organisationstechnisch ist ein neu gewichtetes,
vertikales Zusammenwirken durchaus in geeigneter Form regelbar,
wenn die politische Bereitschaft besteht, vom direkten "Hineinregieren"
und "Hineinadministrieren" abzugehen.
(3) Voraussetzung ist eine entsprechende Transparenz des
Betriebsgeschehens. Die Steuerung über Verfahrensregeln
und eine Fülle von Einzelgenehmigungen muß durch
ein neues Budgetierungssystem, durch Delegation und Rahmenrichtlinien
ersetzt werden. Erst bei einer weitergehenden Dispositionsfreiheit
in bezug auf Kostenfaktoren erhöhen sich Entscheidungsfreudigkeit,
Autonomiegrad und Flexibilität.
(4) Dazu ist die Herauslösung des Hochschulbudgets aus
der Kameralistik und der Aufbau eines betrieblichen Rechnungswesens
notwendig, das es ermöglicht, Finanzplanung und Finanzgebarung,
Bereichsbudgets für Personal- und Sachkosten, Projektbudgets
und eine KostensteIlen- und Kostenträgerrechnung zu adäquaten
Instrumenten der Betriebssteuerung und der Aufsichts- und
Kontrollorgane zu entwickeln.
(5) Damit wäre auf der Kostenseite laufend ein hoher
Informationsstand gegeben, als aussagekräftige Basis
der planenden und der durchführenden Hochschulpolitik.
Derzeit verfügt keine Stelle kontinuierlich über
umfassende und aufgeschlüsselte Kosteninformationen.
Mit einem, den erreichten Standards in anderen Organisationen
entsprechenden Planungs- und Budgetierungssystem würde
auf allen Entscheidungs- und Mitbestimmungsebenen eine aktivere
und konkretere Willensbildung herausgefordert. Demokratische
Strukturen brauchen Informationstransparenz.
(6) Die von der Arbeitsgruppe "Neuorientierung"
geforderte generelle Umstellung auf zeitlich limitierte (verlängerbare)
Personalverträge würde auch auf dem Personalsektor
jene Beweglichkeit ermöglichen, über die das Lehrangebot
laufend angereichert werden kann. Gerade auf einer Kunsthochschule
dürfte dessen Breite und Aktualität wichtiger sein,
als eine starr festgeschriebene personelle Kontinuität.
(7) Wenn die betrieblichen Systeme und Strukturen in einer
Weise ausgestaltet sind, daß die personelle und kostenmäßige
Entwicklung jedes Arbeitsbereiches zum Gegenstand der Entscheidungs-
und Planungsprozesse werden kann, so ergeben sich daraus wesentlich
erweiterte Gestaltungsmöglichkeiten. Die Begründbarkeit
von Maßnahmen erhält einen hohen Stellenwert. Mit
dem allgemeinen Informationsgrad und einer größeren
Dispositionsfreiheit werden die Mitwirkungsbereitschaft und
das Kostenbewußtsein steigen. Letzteres wird derzeit
durch die Ausrichtung auf einen der Form nach richtigen Verbrauch
zugeteilter Mittel, durch ungeeignete Verfahrensvorschriften
oder die Ablieferungspflicht von Eigeneinnahrnen in sinnloser
Weise untergraben.
(8) Aufbau und Abläufe der hochschulinternen Arbeit
sollten nach den ausgeführten Grundsätzen einer
spezifisch für die Hochschule konzipierten "Projektorientierten
Organisation" weiterentwickelt werden.
Deren Schwerpunkte sind:
Konsequente Abgrenzung der Daueraufgaben vom auszuweitenden
Bereich (abschließbarer) Projekte und Projektstudien
Ausrichtung von Arbeitsweise und Arbeitssystemen auf
diese inhaltliche Trennung
Stärkung der Leitungsinstanzen der Hochschule,
Erweiterung der Funktion des Rektors zu einem Direktorium
Reorganisation der Hochschulverwaltung zu einem kompakt
und leistungsfähig strukturierten Bereich "Zentrale
Dienste", der die anderen internen Stellen administrativ
unterstützt und Serviceleistungen erstellt (Abwicklung,
Organisationssysteme, Informationswesen)
Ausbau allgemein zugänglicher Einrichtungen,
wie Zentralwerkstätten, Ateliers, Studios, Bibliothek
zu einem gut ausgestatteten "Studio-Bereich"
Ausrichtung der Systementwicklung (Rechnungs-, Informations-
und Berichtswesen, Organisationsregelungen), der Arbeitsweise,
der Planungsarbeit und der Entscheidungsfindung auf die Erfordernisse
der Verselbständigung und der Projektorientierung.
(9) Mit dem Ausbau und einer konsequent organisierten Unterstützung
von Projektarbeit sollen Strukturen gefördert werden,
in denen eine (bereichsübergreifende) Teamarbeit geeignete
Voraussetzungen findet. Jetzt sind projektähnliche Vorhaben
fast durchwegs Nebenaufgaben. Damit den Besonderheiten künstlerischer
und experimenteller Arbeitsweisen entsprochen wird, ist eine
Bandbreite von professionell vorgeplanten bis hin zu sehr
offen gestalteten Formen vorzusehen. Im einen Fall sind die
(teilamtlichen) Projektleiter ergebnis- und budgetverantwortlich,
in anderen Fällen werden sie eine, bis hin zu. bloßen
Beobachterstatus reduzierte Funktion haben.
(10) Der über Zahlen und Einzelfakten meist nur unbefriedigend
abschätzbare Bereich wissenschaftlich-künstlerischer
Arbeitsergebnisse kann über Projektresultate, -berichte
und -budgets einer kontinuierlichen Selbst- und Fremdbeurteilung
zugänglicher gemacht werden. Eine strukturierte Projektarbeit
wirkt integrierend.
(11) Den Ausbau und die Abwicklung externer Kooperationsprojekte
soll eine hochschulinterne "Projektagentur" fördern,
die gegebenenfalls auch über eine eigene Durchführungsgesellschaft
verfügt (vgl. Kadrnoska, Modellvariante 5.1 und 5.2).
Sie soll in der obersten Leitungsinstanz (Direktorium) verankert
sein und alle jene Dienstleistungen erstellen, die für
eine konkurrenzfähige Abwicklung von Auftragsarbeiten
Voraussetzung sind (Akquisition, Beratung, Vertragswesen,
kommerzielle Verwertung, Marktinformationen, technische Informationen,
etc.). Vorbedingung für ihre Leistungsfähigkeit
sind entsprechende Kompetenzregelungen, eine Dispositionsfreiheit,
Projektbudgets, Neuregelungen bezüglich Urheber- und
Verwertungsrechten, internem Kostenersatz oder Honorierung
von Projektmitarbeit.
(12) Externe Kooperationsprojekte sind im Rahmen der vorliegenden
Konzeption bloß Spezialfälle einer generellen Projektorientierung,
denen wegen der Praxiskontakte, der direkten Gestaltungsmöglichkeit,
der Außenwirkung der Hochschule und der Erwirtschaftung
von Eigenmitteln eine besonders konzentrierte, in der Arbeitsstruktur
verankerte Unterstützung zukommen muß. Wird dies
realisiert, so kommt es arbeitsmäßig zu einer deutlichen
Öffnung der Hochschule, zu einer engeren Verflechtung
mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Und dort, wo eine
Distanz zu dieser Realität (und zu einer Kommerzialisierung)
notwendig ist, läßt sich eine entsprechende Abschirmung
festlegen.
Bei einer generellen Projektorientierung treten solche grundlegenden
Fragestellungen kontinuierlich und offen auf. Die Transparenz
des Betriebssystems erleichtert eine fundierte und breite
Willensbildung - ohne daß sich erneut Bürokratisierungstendenzen
durchsetzen können.
|
|
oben 
|
|
|
Aktionskatalog
Aktionskatalog
Eine Realisierung der vorgeschlagenen Konzeption erfordert
folgende - nach vorbereitenden, kurzfristigen und nach grundlegenden,
längerfristigen unterteilte - Maßnahmen:
Kurzfristig
(1) Sicherung eines entsprechenden Stellenwertes interner
und externer Projekte durch kontinuierliche Behandlung von
Status- und Planungsberichten in den Kollegien (Protokollierung
von Vorhaben, Terminen, Ergebnissen, Verantwortlichen)
(2) Ausarbeitung von Richtlinien (Empfehlungen) für
die Projektarbeit im Rahmen der gegenwärtigen Organisation
(Ankündigung, Berichtswesen, Ergebnisbeurteilung, Terminplanung,
Budgetierung und Abrechnung , Projektleitung, etc.)
(3) Neuregelung der internen Projektinformation (Aushänge,
Rundschreiben, Erweiterung der jährlichen Tätigkeitsberichte,
Aufbau einer Projektdokumentation und einer Kundenkartei)
(4) Herausgabe von Informationspapieren und/oder Veranstaltung
von Seminaren über Varianten und Zweck einer konsequenteren
Projektorganisation
(5) ErsteIlung eines Leistungskataloges und Darstellung der
technischen und fachlichen Möglichkeiten der Hochschule
zur Information externer Auftraggeber (Broschüre, Fach-
und Branchenveranstaltungen, Ausstellungen, Hausführungen)
(6) Klärung von Rechtsfragen (schriftliche Vertragserrichtung
bei Auftragsarbeiten nach § 35 Abs.8 KHOG (Kunsthochschul-Organisationsgesetz)
und § 15 Abs. 2 FOG (Forschungsorganisationsgesetz);
Verwertung von Diplom-, Wettbewerbs- und Auftragsarbeiten;
Urheberrecht, Musterschutz, Patentrechte, Lizenzgebühren,
Steuerfragen)
(7) Ausarbeitung von Musterverträgen, Standards für
Wettbewerbsausschreibungen
(8) Organisation einer internen und externen Rechtsberatung
(9) Ausarbeitung von Rahmenvereinbarungen mit "Dauer-Partnern",
wie dem Kunsthistorischen Museum, dem Punzierungsamt, etc.
Über Art und Umfang entgeltlicher oder kostenloser Leistungen,
Versicherungsfragen und Einzelpunkte (wie den offenbar oft
fahrlässigen Transport von Wertgegenständen)
(10) Neuregelung der Honorierung und des Kostenersatzes bei
externen Projekten (Standardkalkulationen, kostenlose/kostenpflichtige
Leistungen, Pauschalabgeltungen/ kalkulierte Verrechnungspreise,
Honorierung von Projektmitarbeitern)
(11) Erfassung des "privatwirtschaftlichen" Leistungspotentials
von Hochschulangehörigen, Absolventen und externen Fachleuten
als Grundlage ihrer allfälligen Einbeziehung in Auftragsarbeiten
der Hochschule (Architekten, Designer, Grafiker, Modedesigner,
Wissenschaftler, Ökonomen, Produktionstechniker, etc.)
(12) Realisierung von - begleitend beratenen - Modellfällen
für Projektstudien und externe Kooperationen
(13) Institutionalisierung einer gemeinsamen und nachfassenden
Projektbeurteilung durch Auftraggeber- und Hochschulvertreter
als Basis einer fundierten Erfahrungsauswertung ("Stärken-Schwächen-Profil",
Produktions- und Markterfolge, etc.)
(14) Planung und Abrechnung von Projektbudgets - und nach
Möglichkeit auch von Bereichsbudgets mit Sach- und Personalkosten
- als Erweiterung der kameralistischen Buchführung und
als Vorbereitungsphase für die Handhabung eines neugestalteten
Rechnungswesens.
(15) Schrittweise Intensivierung der Kosteninformation zur
stärkeren Vermittlung von Kostenbewußtsein und
Budgetdenken als Voraussetzung einer anzustrebenden, stärker
verankerten Autonomie
(16) Detaillierung der Kritik an bestehenden Verfahrensvorschriften
und Präzisierung kurz- und längerfristiger Veränderungsvorschläge
(17) Ausbau der internen - formellen und informellen - Koordination
durch Präzisierung von Zuständigkeiten, Terminen
und Projekten; Verwertung der Analyse der Gesamtkollegiumssitzungen
als Impuls für die Akzentsetzung bei der Themenbehandlung,
für die Koordination und die Projektorientierung (Protokollierung)
(18) Präzisierung der im Personalbereich anzustrebenden
Struktur (Funktions- und Gehaltsdifferenzierung, Vertragsfristen,
Detaillierung eines neuen Leitungsmodells für Gastprofessur-Klassen,
Zeiteinsatz, Anforderungen an das Verwaltungspersonal)
(19) Interne Konzeption einer Politik gegenüber "Nebenbeschäftigungen"
und der Koordinierung des Zeiteinsatzes an der Hochschule
(20) Reorganisation der Zentralwerkstätten und Neuregelung
der Personalverträge für diesen Bereich
(21) Ausarbeitung von Minimalanforderungen an das interne
Berichtswesen (insbes. Jahresberichte) und des Procederes
bei Nichtbeteiligung (z. B. Protokollierung)
(22) Erstellung eines Ideenkataloges zur allgemeinen Intensivierung
der internen Information (Mitteilungen, Aushänge, internes
Veranstaltungsprogramm, interne Diskussionen, Tätigkeitsberichte,
Berichte über Absolventen, Einführung neuer Mitarbeiter;
ggf. Erweiterung des jährlichen Studienführers um
umfassende Darstellungen der Hochschulaktivitäten, um
Statistiken, Kennziffern , Pojektdarstellungen, Medienberichte,
individuelle Aktivitäten des Lehrpersonals, etc.)
(23) Intensivierung der mehrfach geforderten thematischen
und theoretischen Auseinandersetzung (Veranstaltungen, Vorträge,
Skripten, Schriftenreihe)
(24) Erstellung eines Ideen-Kataloges zur weiteren Förderung
der Identifikation mit der Hochschule (dazu geäußerte
Punkte: bauliche Maßnahmen, Veranstaltungsräume,
innere Ausgestaltung, Fassadenaktionen, neue Formen für
interne Veranstaltungen, Räumlichkeiten für Gäste
und deren Bewirtung, Ausgestaltung der Mensa, Hauszeitschrift;
Neugestaltung der Urkunden, des Hochschulsignets, des Studienführers)
Längerfristig
(25) Inhaltliche, budget- und verfahrensrechtliche Abgrenzung
der anzustrebenden faktischen Hochschulautonomie mit dem Ziel
einer längerfristig tragfähigen Kompetenzaufteilung
zwischen dem Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung
und den Leitungsinstanzen der Hochschule
(26) Abkoppelung vom starren kameralistischen Budgetsystem
und Übergehen zu einem modernen, neu gegliederten Budgetierungs-
und Buchführungssystem als Grundlage einer erweiterten
Dispositionsfreiheit, echter Kostentransparenz und detaillierter
Rechenschaftslegung ("Gesamtetat")
(27) Realisierung der dafür notwendigen gesetzlichen
Änderungen
(28) Neuorientierung der Hochschulorganisation und der Durchführungsregelungen
auf die entwickelte Konzeption:
Aufsichtsorgane
Leitungsinstanzen (Direktorium)
Projektagentur
Zentrale Dienste (Administration)
Studio-Bereich (Werkstätten, Ateliers, Studios,
Bibliothek)
Abteilungen und Arbeitsbereiche
Interne und externe Projekte
(29) Präzisierung der administrativen Detailbestimmungen
für eine "Projektorientierte Organisation"
(30) Präzisierung der Detailbestimmungen für eine
inhaltliche Ausrichtung der Hochschulverwaltung als "Zentrale
Dienste", sowie der Zentralwerkstätten und anderer
Einrichtungen als dienstleistungsonentierter "Studio-Bereich"
(31) Maßnahmenprogramm für eine Weiterentwicklung
der administrativen "Zentralen Dienste" (Hochschulverwaltung)
im Rahmen eines neuen Rechnungswesens, der kommenden EDV-Entwicklung,
zu ändernder Verfahrensweisen, Änderungen bei den
Einkaufskompetenzen, einer betriebswirtschaftlichen Beratung
(anstelle der geplanten "Amtswirtschaftsstelle")
(32) Detailkonzept und Ausbauplan für den "Studio-Bereich"
(Zentralwerkstätten, technische Einrichtungen, etc.)
(33) Stufenplan und Funktionsprogramm für die langfristige
bauliche Entwicklung der Hochschule
(34) Neuregelung der Zusammenarbeit mit wichtigen Kooperationspartnern
(insbes. mit dem Museum für angewandte Kunst)
(35) Aufbau einer "Projektagentur" für eine
qualifizierte Unterstützung externer Projekte
(36) Einbindung der "Projektagentur" - sinngemäß
wie die "Zentralen Dienste" - in den betrieblichen
Entscheidungsprozeß, ggf. unter paralleler Einrichtung
einer Projektabwicklungsgesellschaft
(37) Präzisierung der diesbezüglichen Organisations-
und Verfahrensregeln, der personellen und materiellen Ausstattungserfordernisse
und der Kompetenzabgrenzung
(38) Prüfung, inwieweit die von der Arbeitsgruppe "Neuorientierung"
favorisierte hochschulinterne Eingliederung der "Projektagentur"
zur Sicherstellung einer entsprechenden Handlungsfreiheit
nicht zusätzlich noch die Gründung einer eigenen
Gesellschaft zweckmäßig macht
(39) Klärung von Rechts- und Steuerfragen im Zusammenhang
mit der Projektagentur
(40) Ausarbeitung eines Finanzierungskonzeptes für die
"Projektagentur" mit Budgetierung der Sach- und
Personalkosten und der mittelfristigen Umsatzerwartung
(41) Anpassung der bereits für die Überleitungsphase
geltenden projektorientierten Organisationsrichtlinien an
die definitiven Erfordernisse der "Projektagentur"
(Informationspflicht, Beratungs- bzw. Projektleitungsfunktion,
Projektdokumentation, Markt-, Produkt- und Kundendaten, Preispolitik,
Kalkulationsstandards, Kostenersatz für die Hochschule,
Warenleistungen, zentrale Zahlungsabwicklung, gesonderte Honorierung
von Projektmitarbeitern, Verrechnungssätze, Sachkostenbelastung,
Fixkostenabgeltung, etc.)
(42) Ausarbeitung von grundsätzlichen Direktiven zur
Geschäftspolitik der "Projektagentur" (kostenlose/
kostenpflichtige Leistungen, Preisbildung gegenüber staatlichen
Stellen und der Wirtschaft, Aktivitätsschwerpunkte, Forschungsaufgaben,
Erweiterung zur Betriebsberatung, interne und externe Projektberichterstattung,
Leistungsdarstellung, Projektbeurteilung, etc.)
(43) Konzept für die Aufwertung und Projektorientierung
der Institute
(44) Stufenweise Realisierung einer Personalpolitik sowie
einer Gehaltsstruktur, die auf kurzfristigere Verträge
ausgerichtet sind (38% der HS-Professorenstellen sind derzeit
bereits für solche frei oder werden es bis 1990, bis
1995 trifft das auf 54% der Stellen zu)
(45) Neukonzeption der Vertragspolitik für den Mittelbau
und die administrativen Bereiche
(46) Präzisierung des vorgeschlagenen neuen Leitungsmodells
mit einem "Direktorium" und dessen Zusammenwirken
mit den Kollegien, den "Zentralen Diensten", dem
"Studio-Bereich" und der "Projektagentur"
(47) Ausarbeitung eines dieser Struktur entsprechenden Mitbestimmungsmodells
(48) Klärung der Rechtsfragen für die angestrebte
Ausbildungsreform
(49) Festlegung der Organisationsmaßnahmen, die für
die Realisierung des vorgeschlagenen Basisjahres (anstelle
der heutigen Aufnahmsprüfung) und der internen Durchlässigkeit
des auf vielfältige Wahlmöglichkeiten und Projektstudien
("projektorientiertes Lernen") ausgerichteten neuen
Ausbildungssystems notwendig sind
(50) Entwicklung von Szenarien für die längerfristige
Entwicklung von Inhalt und Struktur des Ausbildungsangebotes
(Klassen, Lehrgänge, Seminare, Institute, Schwerpunkte
für Projektprogramme)
Anmerkung:
Bis zur Drucklegung realisiert wurden im Sinne dieser Konzeption:
Neuregelungen für die Zentralwerkstätten;
Punkt (20)
eine Personalpolitik mit Priorität für Gastprofessuren;
Punkt (44)
Teilbereiche der neugeschaffenen Studienpläne;
Punkt (49)
Voraussetzungen für den Aufbau einer "Projektagentur"
im Rahmen
der neugeschaffenen Lehrkanzel für Kunst- und Wissenstransfer;
Punkt (35), (36)
|
|
oben 
|
|
|
Auftrag und Vorgehen
Der vorliegende Endbericht "Interne Strukturanalyse
und Entwurf einer projektorientierten Organisation" ist
das Ergebnis des Teilprojektes III im Rahmen der Arbeiten
für eine "Neuorientierung der Hochschule für
angewandte Kunst". (Juni 1983 - August 1984).
Informationsgrundlage waren
die schriftlich vorliegenden und intern diskutierten
Ergebnisse der Teilprojekte I (Grundsätze der Neuorientierung
und Ausbildungsreform) und II (Aktivierung der Kooperation
mit Wirtschaftsunternehmen)
einschlägige gesetzliche Regelungen
hochschulinterne Akten, Dokumente, Aufstellungen
ausführliche Gespräche mit 18 Interviewpartnern.
Diese Gesprächspartner vertraten die Bereiche
Hochschulleitung
Hochschulverwaltung (Rektorat, Quästur, Kassa;
Archiv)
Architektur
Textil
Design
Keramik
Mode
Graphik
Schrift und Buchgestaltung
Kunstpädagogik
Nach ihrer Stellung gliedern sie sich in
4 Professoren
6 Angehörige des Mittelbaus
3 Studenten
4 Angehörige der Hochschulverwaltung
1 potentieller Auftraggeber
|
|
oben 
|
|
|
1. Neuorientierung der Organisation
1.1 Organisationsaufbau
1.1 Organisationsaufbau
Nach dem Kunsthochschul-Organisationsgesetz (KHOG 1978) wird
der interne Organisationsaufbau von folgenden Einrichtungen
geprägt:
Akademische Behörden
Rektor
Gesamtkollegium
Abteilungsleiter
Abteilungskollegien
Hochschulkonvent
Lehr- und Forschungseinrichtungen
Klassen
ergänzende Lehrveranstaltungen
Institute
Veranstaltungen
Kurse und Lehrgänge
Der für vier Jahre gewählte Rektor
ist Leiter der Hochschule
vertritt sie nach außen
hat ihre Studieneinrichtungen zu koordinieren
und für die Einhaltung der für die Hochschule
geltenden Bestimmungen zu sorgen.
Er kann dem für zwei Jahre gewählten Rektor-Stellvertreter
einzelne seiner Amtspflichten zur Erledigung unter seiner
Verantwortung übertragen.
Unter der Leitung des Rektors
besorgt das Rektorat (Leitung: Rektoratsdirektor) die
Amtsgeschäfte der obersten akademischen Behörde
und die Quästur die Zahlungsgeschäfte.
Der autonome Wirkungsbereich des Gesamtkollegiums umfaßt
insbesondere
die Wahl des Rektors und Rektor-Stellvertreters
das Stellen von Anträgen betreffend Budget und
Dienstpostenplan, Neuregelungen bei Klassen und Instituten,
Aufnahme des nichtwissenschaftlichen und nichtkünstlerischen
Personals
Mitwirkung am Berufungsverfahren
Beschlußfassung über Studienangelegenheiten,
insbes. über den Veranstaltungsplan und ergänzende
Lehrveranstaltungen
Beschlußfassung über den Abschluß
unentgeltlicher Rechtsgeschäfte, wodurch die Hochschule
Vermögen und Rechte erwirbt und Verwaltung des so gewonnenen
Vermögens
Verfügung über die der Hochschule gewidmeten
Räumlichkeiten
Entgegennahme der Berichte des Rektors über die
Zuteilung und Verwendung der der Hochschule zugewiesenen Mittel.
Den für zwei Jahre gewählten Abteilungsleitern
(bzw. ihren Stellvertretern) obliegt die Durchführung
der Beschlüsse ihres Abteilungskollegiums, die Vertretung
der Abteilung im Gesamtkollegium und die Koordination der
Studieneinrichtungen innerhalb der Abteilung.
Der autonome Wirkungsbereich jedes Abteilungskollegiums umfaßt
insbesondere
Koordinierung der zugehörigen Studieneinrichtungen,
Erstellung der Studien- und Lehrpläne, Festsetzung der
Lehrveranstaltungen
Anträge an das Gesamtkollegium betreffend Neuregelung
bei Studieneinrichtungen der Abteilung
Ausschreibung freier Dienstposten der Abteilung und
Mitwirkung am
Berufungsverfahren
Vorschläge zur Budgetgestaltung an das Gesamtkollegium
und für die Verwendung zugewiesener Mittel an den Rektor
Verfügung über die zugewiesenen Räumlichkeiten
Beschlußfassung über den Abschluß
unentgeltlicher Rechtsgeschäfte, die die
Abteilung betreffen.
Der vom Rektor auf Verlangen des Gesamtkollegiums oder von
mehr als der Hälfte der an der Hochschule tätigen
Lehrer oder inskribierten Studenten einzuberufende Hochschulkonvent
kann Empfehlungen an das Gesamtkollegium erstatten, hat jedoch
in der Praxis keine Bedeutung.
Im Studienführer 1983/84 sind 45 von einander abgegrenzte
und in fünf Abteilungen zusammengefaßte Studieneinrichtungen,
sowie die Leitungs- und Verwaltungsorgane ausgewiesen. Der
organisatorische Aufbau wurde zwecks Übersichtlichkeit
grafisch dargestellt.
Siehe Darstellung "Organisationsstruktur", Seite
183
Mit Blick auf die Entwicklungsmöglichkeiten bilden die
derzeitigen Grundzüge des Organisationsaufbaus einen
geeigneten Rahmen:
durch die Gliederung in 5 Abteilungen bestehen überschaubare,
der internen Kommunikation und Kooperation förderliche
Bereiche
durch die Konzentration der Hochschulverwaltung existieren
strukturell günstige Voraussetzungen für eine Neuorientierung
des Verwaltungshandelns
für die bereichsübergreifende Willensbildung
und Entscheidungsfindung ist mit den Abteilungsleitern, Abteilungskollegien,
dem Gesamtkollegium und dem Rektor eine Mitbestimmungsmöglichkeit
verankert, die bei entsprechender Handhabung eine effiziente
und transparente Behandlung dezentraler und zentraler Initiativen
ermöglichen müßte
bei der internen Gliederung und Ausrichtung der Abteilungen
ist strukturell - also vorerst abgesehen von der Bindung an
bestehende Personalverträge, an Personal-, Stellenplan-
oder Budgetentscheidungen - offensichtlich ein ausreichendes
Maß an Flexibilität gewährleistet.
Vom Organisationsaufbau her müßte somit relativ
zügig durch Umgruppierungen und neue Angebote auf sich
ändernde - oder anhand neuer Schwerpunkte und Wirksamkeitsüberlegungen
konzipierte - Studienerfordernisse eingegangen werden können.
Die organisatorische Verflechtung der einzelnen Funktionsbereiche
ist vergleichsweise gering. Änderungen im Organisationsaufbau,
bei der Arbeits- und Kompetenzgliederung oder bei der Struktur
der Entscheidungsinstanzen sind daher aus der Sicht der Betriebsorganisation
ohne eine extensive, eine Vielzahl von Detailregelungen neufassende
Entwicklungsarbeit möglich. In erster Linie handelt es
sich dabei um einen politisch-rechtlichen Fragenkomplex, zu
dem im Rahmen einer Strukturanalyse Erkenntnisse und Erfahrungen
aus anderen Organisationen beigesteuert werden können.

Bei den folgenden Feststellungen und Überlegungen dazu
wird davon ausgegangen, daß theoretische, ideal-typische
Modelle bloß Impulse liefern können und nur die
kritische Beschäftigung mit den real gegebenen Bedingungen
zu Konzeptionen führt, die auf die konkreten Erfordernisse
abgestimmt sind. Objekt von Organisationsarbeit sind "Soziale
Systeme" (nicht bloß ihr formell regelbarer Bereich
als "Betrieb"). Es sollen zwar Regelungssysteme
verbessert bzw. neu formuliert werden, damit bei den Arbeitsbedingungen,
bei den Kosten-Nutzenrelationen der beim Ausgleich der Interessen
das verfügbare Potential aktiver und qualifizierter ausgeschöpft
werden kann, greifen werden sie jedoch erst dann, wenn dabei
der informelle Bereich, etwa die De-facto-Entscheidungsfindung
außerhalb der dafür vorgesehenen Instanzen, die
Motivationen oder die privaten beruflichen Interessen außerhalb
der Hochschule hinreichend miteinbezogen werden. Eine simple
"Rationalisierung" würde solchen Anforderungen
nicht gerecht werden. Es besteht die generelle Tendenz einer
Verlagerung von Arbeits- und Entscheidungsvorgängen aus
dem formell organisierten Sektor in den informellen Bereich.
Sie wird umso stärker, desto unbefriedigender die formellen
Regelungen sind und desto weniger ein Macht- oder Interessensausgleich
in transparenter leise kanalisiert werden kann. Die sich von
ihrem inhaltlichen Sinn ablösende Einhaltung von Formvorschriften
fördert eine Bürokratisierung und das Entstehen
einer "Schattenorganisation", die für die Aufrechterhaltung
der Funktionsfähigkeit unerläßlich wird, zugleich
aber die demokratische Forderung nach einem transparenten
Betriebsgeschehen untergräbt. In einer Hochschule, deren
"Leistung" nicht anhand überschaubarer Kriterien
bewertet oder gar bilanziert werden kann, fehlt noch dazu
ein letztlich integrierend wirkender Mechanismus, wie jener
der "Wirtschaftlichkeit". Für die Gestaltung
der Organisation bieten sich neben der Eliminierung feststellbarer
Behinderungen und Demotivierungsfaktoren vor allem Analogieschlüsse
an, über die Erfahrungen aus anderen Organisationen miteinbezogen
werden.
Die grundlegenden Arbeits- und Entscheidungsvorgänge
an der Hochschule werden derzeit primär gesetzlich (also
erst in zweiter Linie betriebsintern) geregelt und damit haben
zwangsläufig alle formalen, auf Einheitlichkeit gerichteten
politisch-rechtlichen Aspekte die dominierende Relevanz. Die
solche Rahmenbedingungen umsetzende Betriebsorganisation,
die für eine ausgewogene und durchdachte Gestaltung der
Vorgänge innerhalb des gesamten Arbeitssystems sorgen
sollte, hat demgegenüber nur einen vergleichsweise geringen
Stellenwert. Dabei ist es generell zweckmäßig,
neben einer kontinuierlichen Adaptierung, etappenweise auch
Vorhaben einer konzentrierten und umfassenden Organisationsentwicklung
durchzuführen, damit aus dem Betriebsgeschehen selbst
resultierende Anforderungen und Möglichkeiten eine entsprechende
Berücksichtigung finden.
Vorgelagerte, für die interne (und externe) Kooperation
problematische Strukturfragen der Aufbauorganisation sind
insbesonders
die starke De-jure- und/oder De-facto-Einbindung der
Hochschule in die ministerielle Verwaltung und deren Eigengesetzlichkeiten
(teils sehr langwierige Verfahren für Budget-, Personal-
oder Einzelbewilligungen, kameralistische Buchführung,
Dispositionsenge, vorprogrammierte "Bestrafung"
von Sparsamkeit durch Zwang zum bedarfsunabhängigen Verbrauch
zugeteilter Mittel, Ablieferungspflicht für Eigeneinnahmen,
hemmende verwaltungs- und nicht betriebsorientierte Formalismen,
etc.; Siehe dazu auch Abschnitt 1.2)
der tatsächliche derzeitige Inhalt der Hochschulautonomie
und seine künftige Entwicklung, die in engem Zusammenhang
mit den zugehörigen übergeordneten und internen
Planungs-, Steuerungs- und Kontrollsystemen und der Verantwortungszuordnung
steht
die - im Vergleich zu "betrieblichen" Organisationen
ähnlicher Größenordnung (Personalstand, Budget,
Aktivitätsumfang) - derzeit als gering einzustufende
Entscheidungs- und Dispositionskompetenz der Leitungsinstanzen
(Rektor, Kollegien, etc.)
der sehr hohe Stellenwert der informellen Entscheidungsvorbereitung
und Entscheidungsfindung, der die Transparenz und Funktionsfähigkeit
der formalen Organisation in Frage stellt und hochschulintern
wie auch im Umgang mit dem Bundesministerium für Wissenschaft
und Forschung (BMWF) vieles von den "Zufälligkeiten"
eingespielter persönlicher Kontakte abhängig macht
die auf Grund der allgemeinen Einbindung in das übergeordnete
Verwaltungssystem konventionell abwicklungsorientierte Ausrichtung
der Stellen der Hochschulverwaltung (sowie die in der Praxis
gegebene Doppelunterstellung unter Rektor, Rektoratsdirektor
und bei der Bibliothek unter das BMWF; wobei diesbezügliche
gesetzliche Änderungen zur Diskussion stehen)
die damit zusammenhängende unbefriedigende personelle
und funktionelle Ausstattung mit internen Dienstleistungs-
und Planungsstellen (organisatorische, betriebswirtschaftliche
und technische Beratung, Budgetanalysen, Koordinations- und
Planungsunterstützung)
die derzeit immer in Personalunion von Meisterklassen-
oder Lehrkanzel-Inhabern geleiteten Institute, deren Ausrichtung,
Aufgabenstellung und Ausstattung gerade im Hinblick auf eine
Erweiterung externer Kooperationen eine Aufwertung und eine
konsequentere Dienstleistungs-, Forschungs- und Entwicklungsorientierung
erfahren sollte
die derzeit ebenfalls immer in Personalunion geleiteten
5 Zentralwerkstätten ("Holz", "Metal/Guß
und Schmiede", "Metall/Kunststoff", "Graphik",
"Photographie"), für die im Rahmen betriebsorganisatorischer
Verbesserungen und einer praxisnäheren Ausbildung strukturell
und personell eine neue Lösung gefunden werden sollte
die Organisationsform und strukturelle Eingliederung
von externen und internen Projekten, die derzeit in der Regel
bloß als mitlaufende Nebenaufgaben eingestuft werden,
obwohl gerade sie bei einer Neuorientierung der Arbeitsweise
eine dominierende Rolle spielen müßten (Siehe dazu
auch Abschnitt 2).
Bezüglich der bei einer Analyse des Organisationsaufbaus
sofort ins Zentrum rückenden grundsätzlichen Strukturfrage
- der Form der Einbindung der Hochschule in die ministerielle
Verwaltung bzw. der Stärkung ihrer Autonomie unter Neugestaltung
der Beziehungen mit übergeordneten Instanzen - ist auch
auf latente, von Erfordernissen der Politik-Unisetzung und
flexibler Handlungsfähigkeit im Rahmen überschaubarer
Einheiten gespeiste Erkenntnisse zu verweisen, die in vielen
Bereichen der staatlichen Verwaltung die Verselbständigung
homogener, nicht auf ein "Verwalten" ausgerichteter
Funktionsbereiche als zweckmäßig erscheinen lassen.
Ansatzpunkte dafür sind vor allem die Beeinträchtigung
konkreter Verantwortlichkeiten durch ein "Hineinregieren"
und "Hineinadministrieren" einer Vielzahl übergeordneter
Stellen, die aus "betrieblicher" Sicht unbefriedigende
- und vielfach unhaltbare - Integration in die Kameralistik,
in die Budget- und Bewilligungsverfahren oder auch die Tendenzen
zu einer zunehmenden "Unregierbarkeit" infolge politisch
oft nur noch bedingt handhabbarer Strukturen. Durch eine Neuordnung
und Konzentration der Beziehungen zwischen über- und
nachgeordneten Instanzen mit dem Ziel, teilautonome Einheiten
zu schaffen, die über Aufsichtsinstanzen sowie neu gestaltete
Planungs-, Steuerungs- und Kontrollsysteme mit den Trägerorganisationen
(wie etwa mit de. BMWF) verbunden sind, könne, sowohl
für die politischen Entscheidungen und Einflußnahmen,
als auch für die "betriebliche" Arbeit transparentere
und wirkungsvollere Strukturen geschaffen werden.
Bei staatlichen Wirtschaftsbetrieben ist dieser Weg längst
beschritten worden, sei es - um nur österreichische Beispiele
zu nennen - in Form der ÖIAG (Österr. Industrieverwaltungs
AG), der "Wiener Holding" (Wiener Allgemeine Beteiligungs-
u. Vewaltungsges.mbH.) oder der AUA. In - von Marktmechanismen
mehr oder minder stark abgeschirmten - staatlichen Dienstleistungsbereichen
haben sich die traditionellen Verwaltungssysteme länger
behauptet, es wurden aber auch für sie bereits vielfach
grundlegend neue Organisationsformen entwickelt. Ein Schritt
dazu ist etwa der "Krankenanstalten-Zusammenarbeitsfonds"
für die Krankenhausfinanzierung auf der Basis des neugeschaffenen
betriebswirtschaftlichen Rechnungswesens für die österreichischen
Krankenhäuser. In Hamburg etwa ist man weitergegangen,
indem eine eigene kommunale Krankenhaus-Organisation gegründet
wurde, weil die direkte Eingliederung der 12 Krankenhäuser
in die Verwaltung als blockierend und entwicklungshemmend
empfunden worden war. Die ungesteuerte administrative Entwicklung
hatte u. a. zuvor dazu geführt, daß in den verschiedensten
Behörden insgesamt 282 Stellen mit Krankenhausagenden
befaßt waren.
Allein im Hinblick auf die Funktionsfähigkeit ergeben
sich aus der Realität großer Organisationen Forderungen
nach Dezentralisation, Delegation und Konzentration von Informations-
und Entscheidungswegen, die auf politischer Ebene durch Vorstellungen
über anzustrebende Arbeitsbedingungen und Entscheidungsstrukturen
weiter zu konkretisieren sind. Die Förderung eines eigenverantwortlichen
- durch geeignete Organisationssysteme einer Selbst- und Fremdbeurteilung
zugänglich gemachten - Arbeitens könnte dabei als
übergreifende Zielvorstellung dienen.
Gerade eine Kunsthochschule erscheint als prädestiniert
dafür, auch bei den Arbeitsformen und ihrer Strukturierung
eine Pilotfunktion zu übernehmen, im Rahmen derer ein
Verwaltetwerden durch eine Verselbständigung abgelöst
wird und neue Konzeptionen erprobt werden.
Daß es bei einer zu simplen Verselbständigung
zu Fehlentwicklungen kommen kann, weil nicht für geeignete
Möglichkeiten einer Politik-Realisierung und einer Kontrolle
vorgesorgt wurde, dafür könnten etwa bestimmte Sachverhalte
bei den Autobahn- oder Elektrizitätsgesellschaften, bei
der AKPE (Allgemeines Krankenhaus Wien, Planungs- und Errichtungs-Aktiengesellschaft)
oder bei den Donaukraftwerken als Negativbeispiele dienen.
Allerdings ist auch festzuhalten, daß es ohne die Absonderung
von ursprünglich stärker integrierten Teilbereichen
fast in allen Bereichen der staatlichen Verwaltung zur Herausbildung
von ausgelagerten "Nebenorganisationen" kommt (Vereine,
Institute), über die bestimmte Maßnahmen flexibler
und rascher realisiert werden können.
Überlegungen zu einer "Neuorientierung" der
Hochschule stehen demnach in einem organisationstheoretischen
Zusammenhang mit internationalen Bestrebungen auf dem Gebiet
der Verwaltungsreform und mit seit längerem erkannten,
generellen Schwachstellen gegenwärtiger Strukturen.
Nach einem Eingehen auf das Planungs- und Steuerungssystem
(Abschnitt 1.2), die Praxis der internen Kooperation (Abschnitt
1.3) und die Personalsituation (Abschnitt 1.4) werden die
hier angeschnittenen Fragen des Organisationsaufbaus im Entwurf
einer "Projektorientierten Organisation, zusammenfassend
behandelt (Abschnitt 1.5).
Mit der Situation bei den externen Kooperationsprojekten
und den Ausbaumöglichkeiten befaßt sich der Abschnitt
2.
|
|
oben 
|
|
|
1.2 Planungs- und Steuerungssystem
Hinsichtlich des Standes der "Systementwicklung"
bei der Ablauforganisation ist - wenn in anderen Bereichen
realisierte und in adaptierter Form übertragbare Lösungen
als Maßstab herangezogen werden - für die Situation
an der Hochschule festzustellen, daß
weder für einen hinreichend befriedigenden Grad
an betrieblicher Transparenz (vor allem bei der Kostenbewirtschaftung)
noch für eine adäquate Abstimmung zwischen
Informationssystem (i.w.S.) und Kompetenz- und Verantwortungszuordnung
oder für eine Eliminierung überflüssiger
Initiativ- und Effizienzbarrieren gesorgt ist.
Es bestehen starke Verbürokratisierungstendenzen, die
nur durch den hohen Stellenwert der informellen Kommunikation
teilweise wieder ausgeglichen werden können. Was bereits
als allgemeine Tendenz konstatiert wurde, nämlich die
Ablösung der faktischen Organisationswirklichkeit von
der formell vorgesehenen, wird im konkreten Fall der Hochschule
durch verschiedenste Symptome bestätigt. Selbst im Normalbetrieb,
deutlicher aber noch bei Sonderaktivitäten, ist eine
Abhängigkeit von direkten Kontakten unter Umgehung oder
Vernachlässigung von Formvorschriften gegeben. Eine aktive
hochschulinterne Politik ist in ihrem Erfolg sehr stark vom
verfügbaren Improvisationstalent abhängig. Würde
sich etwa die personelle Zusammensetzung der Leitungsorgane
in einer Weise ändern, die einen eher passiven "Dienst
nach Vorschrift" stärken würde, dann wären
die unverkennbar positiven Entwicklungen der letzten Jahre
gefährdet. Sie sind offensichtlich das Ergebnis latent
unkonventioneller Budgetverhandlungen, Personalberufungen
und Einzelaktivitäten, also nicht unmittelbar vom Organisationssystem
selbst getragen.
Bleibt aber - wie schon betont wurde - das Entwicklungsniveau
der betrieblichen Systeme zu weit hinter den effektiven Erfordernissen
einer initiativen Vorgehensweise zurück, so entfernen
sich die formelle und die informelle Ebene immer mehr von
einander; weder für die politische Realisierungsarbeit,
noch für die betriebliche Mitbestimmung oder ein verantwortliches
"Management" bestehen dann noch überschaubare
und handhabbare Strukturen. Das Positive am unkonventionellen
Umgang mit unbefriedigenden Regelungen schlägt leicht
in eine Etablierung von Verschleierungsmechanismen um.
Damit soll erneut der Zusammenhang zwischen Organisations-,
Planungs-, Steuerungs- und Kontrollsystemen einerseits und
die Kooperationsrealität zwischen Politik, Ministerialbürokratie
und Hochschule andererseits betont werden.
Beansprucht die Hochschule einen real abgesicherten, erweiterten
Grad an Autonomie, dann ist dazu zwangsläufig ein ausgebautes
betriebliches System erforderlich, mittels dessen sie im Rahmen
ihrer Eigenständigkeit für eine konsequente Aufgabenerfüllung
und Mittelverwendung sorgen kann und zu sorgen hat.
Eine effektive weitere Verselbständigung erfordert die
Überantwortung eines Gesamtetats mit vollständiger
oder weitgehender Entscheidungsfreiheit über die Mittelverwendung.
In diesem Fall müßte die Hochschule auch im eigenen
Interesse mit einem Betriebssystem operieren können,
das die erstellten Leistungen und den Mitteleinsatz einer
Eigen- und Fremdbeurteilung zugänglich macht. Dazu sind
vor allem ein geeignetes Rechnungswesen, Personal- und Sachkostenbudgets
pro Bereich und eine damit abgestimmte Verantwortungsstruktur
notwendig.
Das für wirtschaftsferne, einer direkten ökonomischen
Leistungsprüfung weitgehend entzogene Sektoren vielfach
angeführte Argument, daß bei, sich in der Regel
linear entwickelnden, 80 Prozent weitgehend fixierter Personalkosten
und 20 Prozent Sachkosten (eine Relation, die annähernd
auch auf die Hochschule zutrifft) die üblichen Verwaltungssysteme
einfach ausreichen, trifft vor allem dann nicht zu, wenn es
um die konkrete Abgrenzung von Autonomie geht, die de-facto
nicht von einer Budget- und Personalautonomie zu trennen ist.
Die Erfahrungen mit Ausgliederungsvorhaben zeigen, daß
es nicht an einer Unrealisierbarkeit geeigneter Organisationsformen
liegt, wenn sie zu unbefriedigenden Ergebnissen führen,
sondern an der Tatsache, daß es sooft schließlich
zu halbherzigen und kompromißbeladenen Lösungen
kommt, weil in ihnen auf verdeckte Weise Interessen verankert
werden, die - soferne sie überhaupt akzeptabel sind -
bei einer offenen Behandlung durchaus in einer konstruktiven
Weise Berücksichtigung finden könnten. Pragmatisch
gesehen bestehen etwa auch in kraß dezentral organisierten
Konzernen Entscheidungs- oder Mitbestimmungsrechte bei bestimmten
Personalfragen oder Budgetposten, und dennoch ist die Hauptinitiative
in den Basiseinheiten verankert. In Sektoren, deren Leistungsfähigkeit
nicht simpel an Gewinnmargen gemessen werden kann, verbleibt
die Kostenseite als zentrales Steuerungsinstrument (das, wie
noch gezeigt werden wird, durch eine Projektplanung eine wesentliche
Ergänzung erfahren kann). Das System der Kameralistik
ist für eine differenzierte, auf eine betriebliche Flexibilität
ausgerichtete Steuerung ungeeignet und diese Tatsache ist
seit langem weithin anerkannt, was unter andere. Auch die
zahlreichen Ausgliederungsbemühungen belegen. Der derzeitigen
Hochschulorganisation kann trotz der Mitbestimmungsrechte
nicht ein ihnen entsprechender Autonomiegrad zugesprochen
werden, weil wichtige Kriterien, wie eigene Rechnungskreise,
Budgetflexibilität oder eigene Rechnungsabschlüsse
nicht erfüllt sind. Gerade eine Öffnung für
entgeltliche Entwicklungs-, Forschungs- und Dienstleistungsprojekte
würde eine entsprechende Kostentransparenz und die Verfügbarkeit
von Kalkulationsunterlagen geradezu herausfordern. Eine deutliche
Ausweitung des Bereiches der Eigeneinnahmen wäre ein
weiterer Grund für den Aufbau adäquater Betriebssysteme.
Angesichts der politischen und organisationstechnischen Barrieren,
die generellen, übergreifenden Verwaltungsreformen entgegenstehen,
spricht vieles für ein Ansetzen in überschaubaren
Bereichen, wie die Hochschule für angewandte Kunst einer
ist (die noch dazu durch ihre spezielle Aufgabenstellung auch
vom übrigen Hochschulbereich entsprechend abgegrenzt
ist). An ihren, Beispiel ließe sich ein neues, mit durchdachten
Betriebssystemen ausgestattetes Autonomiemodell erproben.
Erhärtet wird eine solche Argumentation durch folgende,
die derzeitige Situation an der Hochschule betreffende Feststellungen:
das gegenwärtige Budgetierungssystem, in dem
Sach- und Personalkosten voneinander völlig getrennt
behandelt werden und die Kontengliederung oder die Buchführungsvorschriften
auf die Kameralistik ausgerichtet sind, behindert eine aktive
und transparente "Betriebsführung
kaum jemand verfügt über umfassende Kosteninformationen
und somit kann sich auch kein Kostenbewußtsein entwickeln;
Mittel werden "verwaltet", "verbraucht",
ohne daß im Rahmen von Delegationsprozessen konsequente
Überlegungen über einen sinnvollen Mitteleinsatz
herausgefordert werden
vom System selbst her wird eher das Gegenteil begünstigt;
Sparsamkeit wird "bestraft' (nicht verbrauchte oder hochschulintern
erwirtschaftete Mittel müssen abgeliefert werden; erst
die im neuen Gesetz vorgesehene Vermögensbildung wird
hier Verbesserungen bringen)
an der Herstellung von Transparenz kann vielfach kein
Interesse aufkommen, eine Politik in jedem Einzelfall begründeter
Budgetanträge wird durch Systemmängel und die oft
automatische Erwartung von Kürzungen behindert
der Entscheidungsspielraum ist hochschulintern auf
allen Ebenen sehr eng, die in vielen Bereichen sehr knappe
Dotierung mit Sachmittelbudgets lähmt ein Interesse an
einer sinnvollen Ausgabenpolitik, die Verantwortung dafür
bleibt de-facto den anonymen Bewilligungsinstanzen zugeordnet
die Verfahren zur Bewilligung von Einzelbeträgen
werden als langwierig und schwerfällig empfunden, häufig
müssen Aufwendungen privat vorfinanziert werden oder
werden "einfachheitshalber" aus eigener Tasche beglichen;
dadurch unterbleiben immer wieder wichtige und animierende
Aktionen, selbst wenn sie nur geringen Aufwand verursachen
würden; ökonomisch nicht privilegierte Lehrkräfte
dürften so in ihren Initiativen gehemmt und ein Dienst
nach Vorschrift begünstigt werden (Beispiele: Kostenersatz
für Dias, für Skriptenerstellung; Reisekostenzuschüsse,
verspätete Gehaltsauszahlung bei Neueintritt)
demgegenüber werden gerade sehr kostenintensive
Entscheidungen oft unter Abkürzung der standardisierten
Bewilligungsverfahren getroffen und ohne daß Kostenargumente
eine vergleichbare Rolle spielen (so etwa bezüglich des
Gesamtaufwandes von Berufungen, inklusive Pensionslasten im
Vergleich zu kurzfristigeren Verträgen). Wird etwa ein
Vierzigjähriger zum Hochschulprofessor bestellt, so ist
dies (unter der Annahme einer vollen Dienstzeit bis zum 70.
Lebensjahr, einem Beginn auf GehaItsstufe 5 - 33.949, - S.
- , zweijähriger Vorrückung, 3 % jährlicher
Steigerung) eine Entscheidung über rund 30 Millionen
Schilling zuzüglich aller Nebenkosten, Folgekosten und
Pensionslasten; dieser Betrag kann - je nach Ausstattung -
insgesamt also ohne weiteres auf das zwei- bis dreifache ansteigen.
da Sach- und Personalkosten nicht nach Bereichen budgetiert
und abgerechnet werden, fehlen die Grundlagen für eine
vorausschauende Dotationspolitik; es wird nur indirekt über
den Stellenplan und über punktuelle Informationen zur
Sachmittelzuteilung bekannt, wie knapp, adäquat oder
"luxuriös" einzelne Bereiche ausgestattet sind;
weder die Dotation noch Kennzahlen (wie etwa die Kosten pro
Studienplatz in einzelnen Bereichen) können so zum Gegenstand
des allgemeinen Planungs- und Entscheidungsprozesses werden
daß im Rahmen eines transparenten Betriebsgeschehens,
das im Normalfall auf einen kontinuierlich sichtbaren, sparsamen
Mitteleinsatz ausgerichtet ist (weil ja die Informationen
darüber zugänglich sind), einzelne kostenintensive,
"luxuriöse" Entscheidungen ohne Rücksicht
auf zu direkte Kosten/Nutzen-Überlegungen (die gerade
im Bereich "Kunst" ähnlich wichtig sind, wie
etwa auf dem Gesundheitssektor) viel selbstverständlicher
und offener getroffen werden könnten, findet im jetzigen
System keine entsprechende Verankerung; dies führt auch
zwangsläufig dazu, daß tendenziell nicht ein transparentes,
sondern ein verschleierndes Entscheidungsverhalten eingeübt
wird
budgetär muß es unter den gegebenen Umständen
zu einer Automatik der Fortschreibung von Vergangenheitswerten
bzw. zu einer schematischen Sparsamkeit mit einheitlichen
Prozent-Kürzungen kommen; eine aus begründbaren
Einzelpositionen bereichsweise aufgebaute Budgetrechnung (bzw.
ein periodisch den konkreten, sich verändernden Bedarf
kalkulierendes "Zero-Budgeting") ist derzeit nur
unter beträchtlichem Zusatzaufwand möglich
die Kontrolle muß sich primär auf die Prüfung
konzentrieren, ob Verfahrensvorschriften eingehalten wurden
aus dem Blickwinkel einer vorausschauenden Hochschulpolitik
ist es zweifellos der zu einem beträchtlichen Teil langfristig
starr festgeschriebene Personalsektor, der ein flexibles Eingehen
auf sich ändernde Erfordernisse am stärksten blockiert.
Von diesen System-Aspekten weiter ins Detail gehend, wurden
anhand einer Kurzanalyse der Buchführungspraxis noch
folgende Problempunkte lokalisiert:
zur Budgetkontrolle wird von der Quästur eine
Dotationskartei geführt, inwieweit sich die einzelnen
Bereiche und Klassen selbst kontrollieren, ist nicht speziell
organisiert
eine planende, sinnvolle Erneuerung des technischen
Geräts wird durch Verfahrensvorschriften gehemmt; veraltetes
Gerät wird kaum verkauft, da dies mit der Verpflichtung
zu Ansuchen, Bewilligung und Erlösablieferung verbunden
ist; daraus entsteht eine Tendenz zum Neukauf ohne Eintausch
und eine Passivität gegenüber neuen Finanzierungsformen
( z. B . Leasing)
als groteskes Beispiel für veraltete Verfahrensvorschriften
gilt die Verrechnung privater Telefongespräche; grundsätzlich
müßten sie mit der Hochschule abgerechnet werden
und diese hat die hereinkommenden Beträge dem Bundesministerium
für Finanzen abzuliefern, aber dennoch die gesamte (
! ) Telefonrechnung aus dem Hochschulbudget zu begleichen
(weshalb intern diesbezügliche Konsequenzen unterbleiben)
das gleiche gilt für Einnahmen aus externen Kooperationsprojekten,
Katalogverkäufen oder aus der Vermietung von Räumen
für Veranstaltungen (solange derart erwirtschaftete Mittel
nicht dezentral weiterverwendet werden können, werden
solche Möglichkeiten zu Zusatzeinnahmen nur sehr defensiv
genutzt).
Daß das Buchungssystem selbst nur bedingt zur über-
und innerbetrieblichen Steuerung eingesetzt werden kann, demonstrieren
die folgenden Symptome:
es existieren vier Rechnungskreise, also ein vergleichsweise
unübersichtliches System der Finanzgebarung
die Gebarung mit dem Bundesministerium für Wissenschaft
und Forschung ("Aufwendungen", "Anlagen",
"Laufende Einnahmen", "Sonderpositionen")
reine Durchlaufpositionen (wie Lohnsteuer, Einkommensteuer,
PSK-Verkehr)
die hochschulinterne zweckgebundene Gebarung (Einnahmen
und Ausgaben) und das "Wettbewerbskonto"
die (in der Tabelle nicht ausgewiesene) Personalverrechnung
durch das Bundesrechenamt (seit 1981 werden nur noch die Gasthonorare
hochschulintern verbucht)
die Kontengliederung ist offensichtlich historisch
gewachsen und entspricht ihrerseits nur bedingt Erfordernissen
einer unmittelbar nachvollziehbare. Kostentransparenz
während der letzten Jahre erfolgte Änderungen
bei den Zuordnungsvorschriften waren nicht durchwegs transparenzfördernd;
ihr Zweck ist aus betrieblicher Sicht nicht immer klar erkennbar
so werden etwa die "Unterrichtserfordernisse"
(Material, Farben, etc.) nicht mehr getrennt, sondern nur
gemeinsam mit den allgemeinen "Verbrauchsgütern"
ausgewiesen (Konto 4021/4022)
Kataloge wurden früher als "Sonstige Druckwerke"
(4579) verbucht, jetzt gelten sie als "Handelsware"
(4030)
das früher unbenutzte Konto "Lebensmittel"(4300)
kann jetzt auch für Repräsentationsausgaben benutzt
werden
seit der Umstellung auf Fernwärme werden die Heizungskosten
nicht mehr unter "Brennstoffe" (4510), sondern unter
allgemeinen "Energiebezügen" (6000) verbucht,
wodurch gerade in diesem kostenintensiven Bereich die Detailinformationen
unzugänglicher werden (und sich angesichts hoher offener
Rechnungen und angewandter Mischsätze die Frage nach
der Verhandlungskompetenz mit den kommunalen Lieferbetrieben
sowie nach den technisch optimalen Lösungen stellt)
die "Büromittel" (4560) werden jetzt
strikter getrennt ausgewiesen, früher wurden sie teilweise
als "Unterrichtserfordernisse" (4022) verbucht
bei den "Druckwerken" (4571) ordnet ein Erlaß
die zentrale Abwicklung über die Bibliothek an, als "sonstige
Druckwerke"(4579) gelten demgegenüber Drucksachen
für den Unterricht und den Verbrauch
als "sonstige Verbrauchsgüter" (4590)
werden seit der schrittweisen Auflösung des Kontos "Unterrichtserfordernisse"
(4022) vor allem Filmmaterialien eingestuft
bei der "Instandhaltung von Gebäuden"
(6140) wurde eine Kostenverlagerung von der Bundesgebäudeverwaltung
(die früher z. B. die Aufzugwartung abdeckte) zu Lasten
der Hochschule wirksam
die Kosten für die "Instandhaltung von Maschinen
und maschinellen Anlagen" (6160) werden erst seit kurzem
getrennt verbucht
unter "sonstige Transporte" (6210) werden
verschiedenste Positionen, vom LKW-Transport über Fahrscheine
für Botengänger bis hin zu Taxifahrten verbucht
für Reisen und Exkursionen bestehen verschiedene
Konten und Zuordnungsvorschriften
unter dem Begriff "sonstige Leistungen von gewerblichen
Firmen" (7289) werden beträchtliche Beträge
in unaufgeschlüsselter Weise gemeinsam verbucht (Reinigungsdienste,
Fotokopien, Fotoausarbeitungen, Müllabfuhr, Gebühren,
etc.)
als "Vergütungen an Bundesdienststellen"
(7290) werden seit kurzem neben der Miete für Zierpflanzen,
Kosten der polizeilichen Ausstellungsüberwachung oder
für Kopien der Nationalbibliothek auch die Vergütungen
an die Staatsdruckerei verbucht (die dort ausgewiesenen minimalen
Beträge dokumentieren einen äußerst geringen
Umfang bundesinterner entgeltlicher Leistungen)
bei den Anlagen wird eher vage zwischen "Amtseinrichtungen"
(alles was in Amtsräumen steht) und "Einrichtungserfordernissen"
unterschieden
die von den Beträgen her minimalen l"aufenden
Einnahmen" sind - wie bereits angeführt - reine
Durchlaufposten, über die hochschulintern nicht verfügt
werden kann
bei den "Zweckgebundenen Einnahmen", die
primär aus Verkäufen der Modeklasse, den Studienbeiträgen
der Ausländer, dem Verkauf von Fotokopien und Drucksorten
stammen, besteht die Möglichkeit, sie direkt für
bestimmte Ausgabenkategorien einzusetzen und hier ist bereits
jetzt eine Reservenbildung möglich.
gesondert davon wird der Zahlungsverkehr bei externen
Projekten über das hochschulinterne "Wettbewerbskonto"
abgewickelt
daß damit weder der Realität noch dem Potential
bei externen Projekten entsprochen wird, ist Gegenstand des
Abschnittes 2.


|
|
oben 
|
|
|
1.3 Praxis der internen Kooperation
Bezüglich der Entscheidungsvorgänge und der internen
Zusammenarbeit wurden im Einzelnen insbesondere folgende Symptome
festgestellt:
das wesentliche Koordinierungsinstrument es Rektors
ist der Appell, die Bitte um interne Kooperation in bestimmten
Fällen; als Sanktion stünde ihm nur Einzelmaßnahmen
im budgetären und disziplinären Bereich offen, die
allerdings rasch das Arbeitsklima vergiften würden
die Bereichsautonomie wird häufig überstrapaziert,
viele Professoren orientieren sich nur auf die eigene Klasse,
für übergreifende Vorhaben fehlen oft ein Interesse,
geeignete Projektformen und die Bereitschaft, zusätzliche
Arbeit und Verantwortung zu übernehmen (so z. B. bezüglich
Ausstellungsprojekten oder hausinterner Umgestaltung)
ein internes Berichts- und Informationswesen existiert
nur in sehr defensiver Form; so liefern etwa einige Meisterklassen
keine oder nur gelegentlich jährliche Tätigkeitsberichte
ab, das Gesamtkollegium mußte sich mehrmals erfolglos
mit der Einforderung von Tätigkeitsberichten der Zentralwerkstätten
befassen
das informelle Moment hat bei der hausinternen Information,
der Entscheidungsvorbereitung und der Entscheidungsfindung,
aber auch bei der grundsätzlichen Kooperationsbereitschaft,
einen sehr hohen Stellenwert
solange die Leitungsinstanzen von halbwegs harmonisierenden
Personen besetzt sind, sichert dies eine Funktionsfähigkeit
ab; wäre dies aber nicht der Fall, so kann kaum auf ein
entsprechendes Koordinationsinstrumentarium und auf eine Transparenz
des Betriebsgeschehens zurückgegriffen werden
daß für die fallweise stattfindenden bereichsübergreifenden
Projekte (Wettbewerbe, Modeschauen) fast ausschließlich
die individuelle Kooperationswilligkeit von Professoren oder
Mittelbauangehörigen der Auslöser ist, belegt das
Zufällige an den derzeitigen Vorgangsweisen; im Fall
des von mehreren Klassen bearbeiteten Projektes, bei dem ein
Haus bis in alle Details hinein durchgestaltet werden sollte,
waren es nicht integrierbare Auffassungsunterschiede, die
schließlich zu einem ergebnislosen Abbruch führten
(aus struktureller Sicht dürften jeweils auch Mängel
der Projektorganisation mitverursachend sein)
vielfach wird betont, daß lähmende Verfahrensvorschriften
Aktivitäten hemmen, auch wenn es sich um Bagatellbeträge
handelt
bei Einkäufen wird eine ministerielle Tendenz
zur Zentralisierung beklagt (Firmen-, Produkt-, Typenauswahl),
ohne daß den Bestellern allfällige Kosten- und
Produktvorteile bekannt würden (Rahmenverträge mit
abrufbaren Kontingenten werden als sinnvoller eingestuft);
daß etwa ästhetisch ansprechende Produkte oft nur
nach Sonderanstrengungen und über persönliche Kontakte
bewilligt werden, belegt eine problematische Orientierung
der ministeriellen Einkaufsinstanzen
die derzeitigen Verfahrensweisen begünstigen
eine Gegnerschaft zur "Verwaltung" und eine Abwehrhaltung
gegenüber Kosten- und Administrationsfragen, was sich
tendenziell negativ und integrationshemmend auswirken muß
der persönliche Zeiteinsatz von Lehrpersonal
und Studenten an der Hochschule, sowie dessen entsprechende
Ankündigung und Koordination werden vielfach als ungenügend
und arbeitshemmend bezeichnet; speziell eine konsequente Mitarbeit
in Projekten wäre von konkreteren Vereinbarungen und
deren Einhaltung abhängig
die nach Abzug der Ferien verbleibende Zeit für
einen Lehrbetrieb von sechs Monaten fordert Überlegungen
heraus, inwieweit die Ansätze zu einer Vermittlung von
Ferialarbeit, deren Ausrichtung auf Studienerfordernisse und
die Nutzung der Einrichtungen ausgebaut werden können
die Intensität interner Kontakte ist sehr gruppenbezogen,
für hochschulinterne "gemeinsame" Aktivitäten
ist oft nur schwer ein Interesse zu erwecken (Ausstellungen,
Diskussionen, etc.), auch die räumliche Situation bedingt,
daß Mitglieder des Lehrkörpers außerhalb
formalisierter oder freundschaftlicher Kontakte nur sporadisch
zusammentreffen
es sind interne "Bruchlinien" zwischen aktiven,
angesehenen und passiven bzw. im Schatten stehenden Lehrbereichen
erkennbar; infolge der in der Regel langfristig festgeschriebenen
Personalverträge und der Bereichsautonomie entziehen
sich solche Unterschiede weitgehend einer hochschulinternen
Gestaltung; es bestehen keine, oder nur indirekte und langfristige
Eingriffsmöglichkeiten der (paritätisch besetzten)
Leitungsinstanzen.
Zur Erfassung struktureller Aspekte des Entscheidungsprocederes
auf oberster Hochschulebene wurden die Protokolle von 13 Sitzungen
des Gesamtkollegiums (Studienjahr 1981/82 und 1982/83 sowie
Wintersemester 1983/84) ausgewertet. Dabei wurden rein informative
Aussagen ausgeklammert und das Gewicht auf besprochene Themen
und gefällte Entscheidungen (einstimmig/mehrstimmig/Ablehnung)
gelegt. Beide Kategorien wurden vollständig erfaßt
und nach Sachgebieten geordnet (mit Ausnahme des Formalaktes
der durchwegs einstimmigen Protokollgenehmigung) .


Diese Auswertung erlaubt folgende Charakterisierung der Aktivitäten
innerhalb der obersten innerbetrieblichen Entscheidungsinstanz
der Hochschule:
die im Analysezeitraum vom Gesamtkollegium behandelten
Themenstellungen betreffen zu etwa je 1/4 die künstlerische
Außenwirkung der Hochschule (Ausstellungen) und Personalfragen,
der Rest betrifft zu etwa gleichen Teilen Punkte der internen
Kooperation i. w. S., Bau- und Raumfragen sowie spezielle
Einzelthemen
darin spiegeln sich vor allem der hohe Stellenwert
der Öffentlichkeitsarbeit und zur Disposition stehender
Personalfragen, sowie aktuelle Raum- und Neubauproblerne wider
ausdrückliche Kostenfragen sind infolge der geringen
Entscheidungsfreiheit und Bas,sinformation von untergeordneter
Bedeutung (6% der Einzelthemen)
rund 60% der Einzelthemen werden bloß informationsmäßig
behandelt, die restlichen 40% führen zu konkreten Entscheidungen
bei den Beschlüssen spielen Themenstellungen
der internen Koordination und Kooperation keine nennenswerte
Rolle, wenn sie behandelt werden, dann überwiegend zu
bloßer gegenseitiger Information.
konkrete interne Projekte sind - abgesehen von Ausstellungen
und Baufragen - nur in Einzelfällen Gegenstand der Tagesordnung;
externe Kooperationsprojekte wurden praktisch keine behandelt
vergleichsweise intensiv ist die Beschäftigung
mit dem Organisationsaufbau der Hochschule, woraus deutliche
Veränderungsintentionen abgelesen werden können
("Spalt-Plan", Abteilungsgliederung, inhaltliche
Änderungen, Lehrgänge, etc.)
Kompetenzmängel zeigen sich gerade im Zwang zur
wiederholten Beschäftigung mit Kleinigkeiten (Errichtung
einer Behindertenrampe, Limitierung der Arbeitserlaubnis mit
22 Uhr, mehrfach vergebliche Einforderung eines Zentralwerkstättenberichts,
Parkplatzordnung)
daß in 6% der Fälle ablehnende, in 8% mehrstimmige
und in 86% einstimmige Entscheidungen getroffen wurden und
pro Sitzung etwa ein Dringlichkeitsantrag eingebracht wird,
weist auf ein relativ homogenes, aber dennoch lebendiges Entscheidungsverhalten
und eine entsprechende informelle Vorbereitung hin (Aussagen
gemäß war die Situation noch vor wenigen Jahren
wesentlich konfliktreicher, bis hin zur Blockierung, was bei
Neuregelungen als Möglichkeit einbezogen werden müßte)
wenn es Konflikte gibt, dann konzentrieren sie sich
auf Raum-, Finanz- und Organisationsgliederungsfragen; im
Personalbereich herrscht eine signifikante Einhelligkeit (95
% einstimmige Beschlüsse).
Im Vergleich zu Leitungsinstanzen in Organisationen eines
ähnlich großen AufgabenvoIumens haben das Gesamtkollegium
und der Rektor geringe Entscheidungsbefugnisse. De-facto haben
sie eher eine Funktion als Clearing- und Informationsstelle.
Rektor und Rektor-Stellvertreter haben darüber hinaus
noch wichtige Möglichkeiten zu Initiativen und informeller
Einfußnahme, aber keine essentiellen Durchsetzungskompetenzen.
Abgesehen von den persönlichen Sekretariaten und den
Dienstleistungen des Rektorats und der Quästur gibt es
auch keine Assistenzfunktionen, die zur Unterstützung
bei Leitungs-, Koordinations- und Planungsaufgaben herangezogen
werden könnten.
Unter den gegebenen Bedingungen werden zwangsläufig
in vermischter Weise wichtige und eine Fülle nebensächlicher
Punkte zum Gegenstand von Gruppen- und Einzelentscheidungen.
Eine Delegation ist nur in begrenzter Weise möglich.
Wenn nicht durch eine professionelle Besprechungsführung
für ein zügiges Vorgehen gesorgt wird, entstehen
durch das Sitzungswesen beträchtliche zeitliche Belastungen
und mit Unproduktivität zu begründende Demotivierungserscheinungen.
Ein unmittelbar gangbarer Weg wäre die Evaluierung der
Tagesordnungen und Protokolle durch Gliederungsempfehlungen
und eine Projektorientierung. Besonders die zweite Möglichkeit
könnte bereits unter gegenwärtigen Bedingungen zu
einem zentralen Koordinationsinstrument werden (auf das in
Abschnitt 1.5 noch im Einzelnen eingegangen wird). Eine konsequente
Aufnahme geplanter und laufender, interner und externer Projekte
in die Kollegien-Protokolle - mit Inhaltsstichworten, Nennung
verantwortlicher Projektleiter, Terminen, Ergebnischarakteristik
- würde für eine kontinuierliche Gesamtübersicht
bei "außerordentlichen" Aktivitäten sorgen,
aber auch für einen gewissen Realisierungsdruck und für
eine breitere Bewußtmachung von Problemen und Arbeitsresultaten.
Für die Strukturierung von Sitzungen und Protokollen
bietet sich in diesem Sinn etwa die folgende Gliederung an:
Öffentlichkeitsarbeit
Kosten- und Budgetfragen
Personalfragen
Interne Projekte
Externe Projekte
Darüber hinaus könnten ergänzende Aktivitäten,
wie kontinuierlich ausgehängte Situationsberichte, zusammenfassende
Projektdarstellungen, Medienberichte oder ein um interne Informationen
(Arbeitsberichte, Statistiken, Kennziffern, u.ä.) erweiterter
Studienführer bereits kurzfristig für die interne
Zusammenarbeit zusätzliche Impulse liefern. Ein angemessener
Entwicklungsstand des Planungs- und Steuerungssystems läßt
sich jedoch nur über ein neugestaltetes Rechnungs- und
Informationswesen erreichen.
|
|
oben 
|
|
|
1.4 Personalsituation
Eine auch auf organisations-psychologische Mechanismen eingehende
Neukonzeption muß sich mit Demotivierungsaspekten befassen
und versuchen, zur Eliminierung ihrer Auslösungsfaktoren
beizutragen, und zwar gegen den Druck "gesellschaftlicher
Bedingungen" (die auf eine Eliminierung des Widerstandsaspekts
künstlerischer Arbeit durch Diskriminierung, Abschiebung
oder eben vordergründige Integration hinauslaufen). Aus
den Erhebungen, Gesprächen und Beobachtungen lassen sie
sich - in Thesenform - wie folgt charakterisieren:
die - vielfach durchaus eingestandene - Primärmotivation
beim Lehrpersonal liegt häufig nicht in den Möglichkeiten
einer engagierten Aufgabenerfüllung, sondern im Erreichen
einer status-, pensions- und sozialversicherungsmäßig
abgesicherten "Lebensstellung", die im Unterschied
zu anderen Berufen noch breiten Raum für einen eigentlichen
Hauptberuf oder für Nebenbeschäftigungen (also für
eine hochschulexterne Orientierung) läßt
prägen sich solche Tendenzen über ein Normalmaß
hinaus aus, so wird eine Kunsthochschule - die ein Zentrum
der Mitgestaltung und Interpretation zeitgenössischer
Kultur sein sollte - immer mehr zur bloßen Arbeitsplatzsicherungsinstanz
für Künstler und künstlerisch orientiertes
Personal, in der die Positionszementierung schließlich
lähmend wirkt (oder wirken kann)
durch Dauerverträge und die übliche Erlangung
der "Professorenreife" im Alter von 40 bis 50 Jahren
halten in der Regel Angehörige einer Generation über
zwei oder drei Jahrzehnte Schlüsselpositionen der Ausbildung
und formalisierter, kunstpolitischer Machtausübung besetzt;
ein solcher Zyklus begünstigt eine permanente "Zeitverschiebung",
indem kulturelle Prozesse in die Länge gezogen werden,
ein Kult um die eigene "Kampfzeit" drückt sich
häufig in einem Abblocken nachrückender oder konkurrierender
Kräfte aus
inwieweit profilierte Künstler oder künstlerisch
orientierte Fachleute a priori gute oder die besseren Lehrer
sind und welchen Stellenwert dabei die persönliche Erfahrung
haben kann, ist nicht generell zu beantworten; andererseits
bringen auch unter dieser Einschränkung Spitzenleute
in der Regel wichtige, unverzichtbare Impulse, weil sie Garanten
für ein kosmopolitisches Klima sind
es taucht auch immer wieder die Frage auf, ob eine
Integration anerkannter Persönlichkeiten in den akademischen
Lehrbetrieb nicht gerade im künstlerischen Bereich zugleich
auch negative Nebenwirkungen hat, wie die einer staatlich
sanktionierten Etablierung oder einer weiteren Austrocknung
selbständig freischaffender Arbeitsmöglichkeiten;
wenn eine kleine Gruppe gleichsam als Lohn zu beamteten Künstlern
erklärt wird, hat dies weitreichende gesellschaftspolitische
Rückwirkungen auf den gesamten Bereich künstlerischer
Tätigkeit
ein hinreichend erfolgreiches Künstlerleben ist
oft von der Aufeinanderfolge einer "Avantgarde-",
einer "Durchbruchs- und Anerkennungs-" und einer
"Beruhigungs-Phase" geprägt und immer wieder
auf eine Isolation angewiesen, während ein Professorenleben
von anderen, stetigeren Komponenten bestimmt wird
der - erfahrungsmäßig meist unvermittelte
- Eintritt eines Künstlers in eine Hierarchie mit direkter
Möglichkeit zur Machtausübung und plötzlich
formal abgesichertem Status wirkt sich auffallend oft in Zusammenarbeitsproblemen
aus
es ist auch signifikant, daß die Bereitschaft
zu Kommunikation, Auseinandersetzung und Konfliktaustragung
in bezug auf künstlerische Entwicklungen gerade ab Erlangung
des "Professorenalters" eher abzunehmen scheint,
also gewisse Abschottungen feststellbar sind
die Freiheit von jedem äußeren Methodenzwang
kann sich zwar durch die Vermittlung von Persönlichkeiten
mit Ausstrahlung oder geeignete Gruppenkonstellationen mit
einer aktivierenden Ausbildungsfreiheit verbünden, beides
steht aber in einer latenten Gegnerschaft zu organisierten
Studienerfordernissen; wie persönliche Qualitäten
geweckt und gefördert werden können, dürfte
gerade im künstlerischen Bereich in extremer Form eine
Angelegenheit der beteiligten Individuen und der Wahlmöglichkeiten
sein
derartige Faktoren tragen dazu bei, daß die
Personalsituation an Kunsthochschulen ein sehr sensibler Bereich
ist und starke Kräfte in Richtung Abgrenzung, Isolation
und extensiver Auslegung der Meisterklassen-Autonomie wirken
viele Arbeitsbereiche der Hochschule haben praktisch
keinerlei Kontakte untereinander, ob Kooperationen zustandekommen,
hängt meist von den informellen Beziehungen ab, Entscheidungen
müssen oft auf der simplen Ebene einer "Tauschgesellschaft"
vorbereitet werden ("Gegengeschäfte", "Pakte")
auf Professorenebene gibt es ausgeprägte Gruppenbildungen,
die in der internen Entscheidungsfindung eine gewichtige Rolle
spielen; in einer Reihe von Fällen fehlt jedoch ein entsprechend
akzeptierter interner Status oder auch das Interesse für
eine Beteiligung an betrieblichen Vorgängen
als Gegensatz zur verbreiteten freigeistigen Haltung
(und auch zu den vergleichsweise legeren Umgangsformen) ist
ein für eine künstlerische Arbeitsweise auffallend
starkes Status- und Hierarchieinteresse feststellbar (Titel,
Funktionen, Ehrenämter)
auch für den Mittelbau sind die Differenzierung
in oft uneinsichtig gleichgestelIte oder abgestufte Positionen
und die geringen bis aussichtslosen Aufstiegschancen deutlich
angesprochene Probleme
zu Hausberufungen ist es in den letzten Jahren praktisch
nicht mehr gekommen
das relativ niedrige Gehaltsniveau auf allen Ebenen
liefert auch unabhängig von beruflich-künstlerischen
Absichten ökonomische Motive für Nebenbeschäftigungen,
so daß zwischen hochschulinternen Aufgaben und externen
Interessen oft nur schwer eine Balance gehalten werden kann
trotzdem besteht bei befristeten Verträgen vielfach
ein Verlängerungsinteresse, woraus auf einen Mangel an
"Konkurrenzangeboten" und auf eine oft uneingestandene
Wertschätzung für gebotene immaterielle - und doch
auch materielle - Vorteile geschlossen werden kann (Status,
Freizeit, Ferien, getrennte Berufsausübung, Nebenbeschäftigungen)
die Studenten-Motivation wird von beiden Seiten als
mehrheitlich passiv und mittelschülerhaft dargestellt,
oft würden auch die grundlegendsten handwerklichen Voraussetzungen
fehlen, was in praxisorientierten Disziplinen mittels des
heutigen Lehrangebotes oft auch während des ganzen Studiums
nur mehr unzureichend nachgeholt werden kann
viele Studenten sind offenbar froh, in irgendeiner
Klasse unterzukommen, um so einen Studienplatz zu haben, ziemlich
unabhängig davon, ob er ihren Intentionen und Fähigkeiten
entspricht
die derzeitige Form der Aufnahmsprüfung wird
allgemein als unbefriedigend eingestuft (enormer Andrang,
individuelle Beurteilung unter großem Zeitdruck)
die Problematik der Unkündbarkeit setzt sich
von der Professorenebene über bestimmte Bereiche des
Mittelbaus und der Verwaltung bis zu den Meisterklassen-Studenten
fort
die Mehrheit der Studenten studiert ohne konkrete
Berufsvorstellungen, für viele ist das Studium offenbar
primär eine abwartende (aber wichtige) Orientierungsphase
die - vor allen im Vergleich zu anderen Hochschulen
- privilegierte Situation von Studenten der Angewandten (Meisterklassen
mit geringer Studentenzahl, Zugänglichkeit technischer
Einrichtungen, aber auch Kosten pro Studienplatz etc.) dürfte
im allgemeinen nicht als solche eingestuft werden
häufig wird ein Unbehagen über internes
"Zellendenken", eine fehlende, bereichsübergreifende
Diskussionsbereitschaft und Kontaktmöglichkeit angesprochen
die Kunsterzieher fühlen sich trotz fortgeschrittener
Integration weiterhin als Außenseiter
eine positive Motivation als Angehöriger der
Hochschule wird hauptsächlich aus einer Abgrenzung von
anderen, nicht so gut eingestuften Institutionen bezogen (insbesondere
zur Kunstakademie am Schillerplatz), gleichzeitig wird aber
betont, dass die Attraktivität der "Angewandten"
in den letzten Jahren deutlich gestiegen ist (also doch auch
eine direkte Identifikation feststellbar ist).
Die strukturell determinierten hochschulinternen Gruppen,
von denen die hier skizzierten organisations-psychologischen
Tendenzen geprägt werden, sind im wesentlichen die folgenden.
die Hochschulprofessoren (derzeit 26), untergliedert
nach Gehaltsstufen und Funktionen (Meisterklassenleiter und
Lehrkanzelvorstände)
die Gastprofessoren (derzeit 4)
der Mittelbau mit den Hochschulassistenten (etwa 10),
den Bundeslehrern L 1 (etwa 20), den Vertragslehrern (2) und
die aufgabenmäßig und zeitlich sehr unterschiedlich
eingesetzten Lehrbeauftragten (etwa 110)
die Beamten und Vertragsbediensteten der Hochschulverwaltung,
der Bibliothek und der Zentralwerkstätten (etwa 30)
die Studenten (annähernd 1.000), die sich grob
nach ihrer Orientierung auf ein noch offenes, auf ein berufsspezifisches
und auf ein Kunstpädagogik-Studium strukturieren lassen.
Der Aufbau und die Differenzierung des Hochschulpersonals
(Funktionsbereiche, Aufgabeninhalt, Status, Gehaltskategorie,
Sicherheit der Anstellung, Vertragsdauer, Aufstiegsmöglichkeit,
etc.) ist zweifellos eine wesentliche Frage der Arbeitsweise
und des Arbeitsklimas und somit auch einer Neuorientierung.
Bei ihr müßte versucht werden, parallel zu einer
Neugestaltung des Organisations- und Betriebssystems auch
für den Personalsektor sch | | |