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Springer Wien New York
Universität für angewandte Kunst Wien

Graue Donau, Schwarzes Meer
Wien | Sulina | Odessa | Jalta | Istanbul, herausgegeben von Christian Reder und Erich Klein

Edition Transfer bei Springer Wien New York 2008


 

Medienresonanz

Falter, Stadtzeitung Wien
Woche 48/2008 vom 26.11.2008
  

Rezension

Graue Donau, Schwarzes Meer
Wien - Sulina - Odessa - Jalta - Istanbul


Der Donauraum ist kein konkreter Forschungsgegenstand. Geografisch gesehen haben Schwarzwald und Donaudelta ungefähr so viel gemeinsam wie Portugal und Dänemark. Und kulturwissenschaftlich gesehen landet man schnell bei ein paar osteuropäischen Intellektuellen, die mit Russland möglichst wenig zu tun haben wollen. Stichwort: Mitteleuropa.
Ein Buch über den Donauraum zu schreiben ist demnach kein leichtes Unterfangen. Graue Donau, Schwarzes Meer von Christian Reder und Erich Klein handelt einfach von allem, was mit der Donau zu tun hat - beziehungsweise von allen Ideen, die man in den Fluss hineinprojizieren kann. Und das sind viele. Die beiden Herausgeber und die versammelten Autoren untersuchen Straßennamen in Paris, die sich auf den Donauraum beziehen; sie dechiffrieren die Bedeutung von Kriegsdenkmälern auf der Krim; sie lassen krisengeschulte Diplomaten und vertriebene Tschetschenen zu Wort kommen; sie widmen sich der Literatur dieser Region in den 1920er-Jahren; und schließlich landen sie bei der Flussfauna und dem Kosten-Nutzen-Verhältnis von Wasserkraftwerken. Das Ergebnis ist ein faszinierendes Kompendium von ausuferndem und interessantem Wissen. Allerdings ist es auch ein wenig unübersichtlich.
Der gemeinsame Nenner aller enthaltenen Informationen ist die Annahme, dass der rund 3000 Kilometer lange Flusslauf einen Kulturraum mit entsprechenden Gemeinsamkeiten konstituiert. Darüber lässt sich freilich streiten: Die Donau ist ein Gebirgsbächlein am bayrischen Alpenrand oder ein endloser See zwischen Rumänien und Bulgarien. Und irgendwann dazwischen, in Wien, denkt sie zum ersten Mal an das Schwarze Meer, wie Péter Esterházy schrieb.
Diesem Dilemma versucht der 600 Seiten dicke, dicht und mit vielen kleinen Bildern bedruckte Sammelband durch Breite zu begegnen. Er ist eine umfangreiche Streitschrift für die Gemeinsamkeiten und wohl eher zur selektiven als zur umfassenden Lektüre gedacht: Man kann ja die Wasserkraftwerke spritzen, wenn einen die Straßennamen mehr interessieren. Oder umgekehrt.

Josef Gepp





 

 

 

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